Schütteln macht Lust – vom Kopf in den Körper

Viele Menschen leben überwiegend im Kopf. Gedanken kreisen, To-do-Listen laufen, innere Bewertungen sind ständig präsent. Gleichzeitig fehlt oft der Kontakt zum Körper: zu Empfindungen, Lebendigkeit, Lust. Nicht selten entsteht daraus das Gefühl, abgeschnitten zu sein – von sich selbst, vom eigenen Begehren, von echter Präsenz.

Schütteln kann hier ein überraschend einfacher und zugleich tiefgreifender Zugang sein. In körperorientierten Ansätzen – u. a. inspiriert durch die Arbeit von Ilan Stephani und neurobiologische Erkenntnisse zur Stressregulation – wird Schütteln als eine natürliche Bewegung des Nervensystems verstanden: eine Möglichkeit, Spannung abzubauen, Energie wieder ins Fließen zu bringen und den Körper als Quelle von Lust und Lebendigkeit zu erleben.

Der Körper weiß, wie Regulation geht

Schütteln ist nichts Neues. Es ist eine uralte, biologisch angelegte Reaktion. Tiere schütteln sich nach Gefahr, nach Stress, nach intensiver Aktivierung – und kehren danach sichtbar in einen regulierten Zustand zurück. Ihr Nervensystem „schließt“ damit eine Stressreaktion ab.

Auch beim Menschen ist diese Fähigkeit vorhanden. Doch viele von uns haben früh gelernt, körperliche Reaktionen zu kontrollieren oder zu unterdrücken. Zittern, Beben oder spontane Bewegungen wurden als unangemessen, peinlich oder bedrohlich erlebt. So blieb häufig Spannung im Körper zurück – gespeicherte Aktivierung, die sich nicht entladen durfte.

Das Nervensystem bleibt dann im Alarm- oder Erschöpfungsmodus. Der Zugang zu Lust, Neugier und Lebendigkeit wird enger.

Schütteln und das Nervensystem

Aus Sicht der Nervensystemarbeit wirkt Schütteln regulierend auf mehreren Ebenen:

  • Stressenergie kann sich entladen
    Adrenalin und Cortisol, die bei Aktivierung ausgeschüttet werden, finden einen körperlichen Ausdruck.

  • Der Vagusnerv wird angesprochen
    Rhythmische, unwillkürliche Bewegungen fördern parasympathische Aktivität – also Entspannung und Verbindung.

  • Körperwahrnehmung nimmt zu
    Aufmerksamkeit wandert weg vom Denken hin zu Empfindungen.

  • Sicherheit wird erfahrbar
    Der Körper erlebt: Bewegung ist möglich, ohne Gefahr.

Diese Prozesse schaffen die Grundlage für etwas, das oft unterschätzt wird: Lust braucht ein reguliertes Nervensystem.

Warum Schütteln Lust machen kann

Lust ist kein rein sexuelles Phänomen. Sie ist ein Ausdruck von Lebendigkeit, Durchlässigkeit und Kontakt. Wenn der Körper dauerhaft angespannt, eingefroren oder überaktiviert ist, bleibt wenig Raum für Genuss.

Schütteln kann helfen, diesen Raum wieder zu öffnen:

  • Spannung löst sich → Empfindungsfähigkeit nimmt zu

  • Der Körper wird wärmer, weicher, durchlässiger

  • Atem vertieft sich

  • Bewegungsimpulse entstehen von innen heraus

Viele Menschen berichten nach dem Schütteln von:

  • mehr Präsenz im Körper

  • einem Gefühl von Weite oder Kribbeln

  • spontaner Freude oder Lust

  • besserem Zugang zu Nähe und Berührung

Nicht, weil etwas „erzwungen“ wird – sondern weil der Körper wieder erlaubt, sich zu zeigen.

Vom Kopf in den Körper

Schütteln ist ein direkter Weg, den dominanten Denkmodus zu verlassen. Gedanken dürfen in den Hintergrund treten, ohne aktiv „abgestellt“ zu werden. Der Fokus liegt auf dem Spüren:

  • Wie fühlt sich der Boden unter meinen Füßen an?

  • Wo beginnt die Bewegung?

  • Was verändert sich im Atem?

Diese Art von Präsenz ist eine Grundlage für Selbstkontakt – und damit auch für erfüllende Beziehungen. Wer sich selbst spürt, kann auch andere klarer wahrnehmen.

Einladung: Sanftes Schütteln ausprobieren

Wenn du neugierig bist, kannst du Folgendes ausprobieren:

  • Stelle dich hüftbreit hin, Knie locker.

  • Beginne, dich ganz leicht zu schütteln – Beine, Arme, Schultern.

  • Lass die Bewegung klein oder größer werden, ganz nach deinem Gefühl.

  • Atme frei, ohne etwas erzwingen zu wollen.

  • Bleibe 1–3 Minuten dabei.

Beobachte, was sich verändert. Vielleicht passiert wenig, vielleicht entsteht Wärme, vielleicht Unruhe oder Entspannung. Alles ist willkommen.

Wichtig: Schütteln ist kein Leistungsprozess. Es geht nicht darum, „richtig“ zu schütteln, sondern darum, dem Körper zuzuhören.

Schütteln im therapeutischen Kontext

In der therapeutischen Begleitung kann Schütteln behutsam eingebettet werden – angepasst an das individuelle Nervensystem. Gerade bei Menschen mit hoher innerer Spannung, Traumaerfahrungen oder einem distanzierten Körpererleben ist Dosierung und Sicherheit entscheidend.

Schütteln ist dann kein isoliertes Tool, sondern Teil eines Prozesses:

  • zur besseren Selbstwahrnehmung

  • zur Regulation von Stress und Überforderung

  • zur Öffnung von Lust, Nähe und Lebendigkeit

Zum Abschluss

Schütteln bringt uns aus dem Kopf zurück in den Körper. Es erinnert uns daran, dass Regulation, Lust und Lebendigkeit nicht gemacht werden müssen – sie sind bereits angelegt. Wenn der Körper Raum bekommt, zeigt er oft von selbst den Weg.

Wenn du diesen Zugang vertiefen möchtest, begleite ich dich gern im sicheren, therapeutischen Raum. Gemeinsam erkunden wir, wie dein Nervensystem Sicherheit findet, wie dein Körper sich ausdrücken darf – und wie Lust wieder als etwas Eigenes, Stimmiges und Lebendiges erfahrbar wird.

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